Für die Big Band der Bundeswehr trotzen 1400 Menschen dem Regen

20.05.2026

Foto: Armin Fischer (arfi)

„Xanten, Ihr seid super!“

Xanten · Es regnete, trotzdem kamen rund 1400 Besucher zum Open-Air-Konzert auf dem Xantener Marktplatz. Die Big Band der Bundeswehr dankte dem „unfassbar guten Publikum“ – und gab ein Versprechen ab.

Die Big Band der Bundeswehr hat am Dienstagabend in Xanten ein Open-air-Konzert zugunsten mehrerer Hilfsorganisationen gegeben. Auf dem Marktplatz spielten die Musiker zwei Stunden lang Arrangements bekannter Rock-, Pop-, Jazz- und Swing-Melodien. Unterstützt wurden sie von Sängerin Bonita Niessen und Sänger Marco Matias. Trotz des ungemütlichen nasskalten Wetters kamen schätzungsweise weit mehr als 1000 Menschen, es könnten rund 1400 gewesen sein. Mit Regenschirmen, Kapuzen oder Capes schützten sie sich gegen den zum Teil strömenden Regen.

Der Eintritt war frei gewesen. Der Veranstalter, der Lions Club Xanten, sammelte aber im Publikum Spenden, um damit die Hilfsorganisationen zu unterstützen. Wie die Lions am Ende des Konzerts berichteten, kamen dadurch rund 14.000 Euro zusammen. Sie kündigten an, die Summe auf 20.000 Euro aufzustocken. Der Ertrag des Abends soll an das „Offene Ohr“ der Caritas-Konferenz in Xanten, den Verein „Lachen Helfen“ und das Friedensdorf International in Oberhausen gehen. „Das Geld geht an die Schwächsten der Gesellschaft“, sagte der Tourmanager der Big Band, Stabshauptmann Johannes M. Langendorf. Die Big Band verzichtet nach eigenen Angaben auf eine Gage. Die Kosten, die durch die Organisation eines solchen Auftritts anfallen, wurden von Sponsoren übernommen, von der Volksbank Niederrhein und von Witzenmann Rhein-Ruhr.

INFO
Diese Organisationen werden unterstützt
Wie der Lions Club Xanten berichtet, geht der Ertrag des Abends an drei Organisationen: Erstens an den Verein „Lachen Helfen“, der Waisenhäuser, Kinderkrankenhäuser, Schulen und Kindergärten in Ländern unterstützt, in denen deutsche Soldaten und Polizisten eingesetzt sind. Zweitens an das „Offene Ohr“ der Caritas-Konferenz, an das sich Xantener Bürgerinnen und Bürger in Not wenden können. Drittens an das Friedensdorf International in Oberhausen: Die Hilfsorganisation holt kranke und verletzte Kinder aus Kriegs- und Krisengebieten zur medizinischen Versorgung nach Deutschland.

Für das Konzert auf dem Marktplatz hatte die Big Band der Bundeswehr ihre eigene Bühne mitgebracht: „Europas größte Trailerbühne“, wie Tourmanager Langendorf im Vorfeld gesagt hatte. Die gesamte Technik – nach Angaben der Big Band sind es mehr als 100 Tonnen Material – war am frühen Dienstagmorgen mit mehreren Sattelschleppern nach Xanten gebracht worden. Nach dem Konzert wurde die Bühne noch in der Nacht direkt wieder abgebaut, damit am Mittwochmorgen der Marktplatz wieder frei war.
Langendorf hatte am Abend berichtet, dass hinter den etwa 25 Menschen auf der Bühne ein großes Team für Tourplanung, Technik und Management stehe. Vor Ort kümmerte sich der Lions Club Xanten um die Organisation. Beim Aufbau halfen Soldaten des 1st Nato Signal Battalion, wie der Xantener Lions-Präsident Walter Huhn berichtete. „Wir haben eine Super-Organisation gehabt, nur fürs Wetter können wir nichts machen.“ Aber man mache das Beste daraus: „Es wird ein schöner Abend.“ Das wurde es.
Die Big Band der Bundeswehr war vorher schon mehrmals in Xanten aufgetreten, zuletzt vor neun Jahren, wie Langendorf sagte. Damals war das Wetter besser gewesen. Dieses Mal fing es am späten Nachmittag an zu regnen und hörte auch nicht mehr auf. Trotzdem kamen viele Menschen zum Konzert. Direkt vor der Bühne stand zum Beispiel ein Mann aus dem Raum Mainz, der aus beruflichen Gründen gerade am Niederrhein war, wie er unserer Redaktion berichtete. Er höre gern die Musik von Orchestern und Big Bands, und „wenn man so etwas geboten bekommt, bei freiem Eintritt und mit so einer Atmosphäre wie hier, dann geht man hin“, sagte er.

Foto: Armin Fischer (arfi)

Andere, mit denen unsere Redaktion sprach, äußerten sich ähnlich. Sie kamen zum Beispiel aus Menzelen-Ost, Hünxe, Rheurdt oder Xanten. Manche erinnerten sich an den Auftritt der Big Band der Bundeswehr vor einigen Jahren auf dem Marktplatz. Ein Mann sagte, dass er sich vom Regen „nicht davon abhalten“ lasse, „so ein Highlight zu erleben“. Beim letzten Mal sei es „so toll“ gewesen, „deshalb dachten wir uns, wir gehen noch einmal hin“, erzählte eine Frau. Der Auftritt der Big Band sei „eine einmalige Veranstaltung“, erklärte ein anderer Mann. „Wir haben noch sehr gut das letzte Mal in Erinnerung“, ergänzte eine Xantenerin.

Die Big Band der Bundeswehr begann den Abend mit Arrangements aus älteren Stücken, später spielte sie Medleys aus neueren Popsongs, zum Beispiel von Coldplay oder Peter Fox. Bandleader und Oberstleutnant Tobias Terhardt erklärte zu vielen Titeln den Hintergrund und die Geschichte des Stückes. Zwischendurch ließ der Regen etwas nach, wurde dann aber wieder kräftiger. Die meisten Zuschauer blieben trotzdem. Tourmanager Langendorf rief zwischendurch: „Xanten, Ihr seid super!“ Gegen Ende sangen Bonita Niessen und Marco Matias zusammen mit dem Publikum Lieder wie „Ohne dich (schlaf’ ich heut Nacht nicht ein)“ von der „Münchener Freiheit“ oder „Freiheit“ von Marius Müller-Westernhagen. Viele schunkelten, tanzten oder wippten im Takt.
Nach einer Zugabe verabschiedete sich die Big Band der Bundeswehr nach zwei Stunden für dieses Mal. „Liebe Xantenerinnen und Xantener, Ihr seid großartig, bei diesem Wetter habt Ihr solange ausgehalten“, sagte Langendorf. Der Auftritt habe der Big Band und dem ganzen Team sehr viel Freude bereitet. „Ihr seid ein unfassbar gutes Publikum.“ Xantens Lions-Präsident Walter Huhn schloss sich an: „Ihr seid fantastisch.“

Bürgermeister Rafael Zur lud die Big Band der Bundeswehr direkt ein, bald wieder aufzutreten, vielleicht zum Stadtjubiläum 2028. „Wäre das nicht ein Anlass, wiederzukommen?“ fragte der Bürgermeister und wurde von Jubel des Publikums unterstützt. Das konnte Langendorf spontan nicht zusagen. Aber er versprach: „Wir werden sicherlich wieder nach Xanten kommen.“

Foto: RP/Markus Werning

 

Rheinische Post vom 20.05.2026 von Markus Werning